Afrika mangelt es an Vielem, nur nicht an Rettern aus dem vermeintlich allgegenwärtigen Elend. Vom Gewissen gebissen erheben sich die Stimmen gegen die Armut und übertönen das moderne Afrika...
Von Dag Zimen
„Wherever you are, however you listen, this is the BBC...“ – halbstündlich sendet die Mutter aller Auslandssender ihre World News um die Welt, und aus WLAN-Notebooks und Urzeit-Radios in Metropolen und Nirgendwos ertönt die Stimme, die vielen als die der „freien Welt“ gilt. Die Zeiten, als der BBC World Service Imperiumssender, Weltkriegsradio und schließlich Londons verlängerte Kurzwelle gegen Radio Moskau und Radio Tirana war, sind vorbei, doch für weltweit durchschnittlich 180 Millionen Zuhörer pro Woche sind die Programme in 33 Sprachen eine – mancherorts gar immer noch die einzige – Quelle unabhängiger Nachrichten aus aller Welt. Besonders dort, wo Machthaber von Ländern der Ahnungslosen träumen und Journalisten Staatsfeinde sind, erfreut sich das vom Foreign and Commonwealth Service finanzierte, journalistisch jedoch unabhängige Radio großer Beliebtheit. Wherever, however... Robert Mugabe oder Omar al-Bashir hören diesen Jingle höchstens heimlich gern.
Wherever you are, however and whenever you listen, DAS ist nicht die Mutter aller Blogs und Podcats, ein Vielfaches mehr als 180 Millionen Menschen beachten diese Beiträge nicht, schon gar nicht wöchentlich. Dies ist zum Glück nicht die einzige - vielerorts noch nicht einmal eine - Quelle der Information, und Robert Mugabe oder Omar al-Bashir werden hiervon wohl nie Notiz nehmen.
DAS blog ist nicht die Stimme der freien Welt. Wir versuchen nur, einer Welt eine Stimme zu geben, die hierzulande gegen Totenklagen oder Charitainment-Konzerte immer noch kaum Gehör findet: dem modernen Afrika. Es existiert – wo auch immer Sie genauer hinschauen, was auch immer Sie gehört haben. Und gehört und gelesen haben wir viel, gerade in letzter Zeit, denn Afrika ist en vogue. Ein ganz bestimmtes Afrika. Von BILD bis Vogue, Buschstories voller Elendsexotik, am besten angereichert mit ein wenig Helfererotik in Person von Angelina Jolie und anderen, verkaufen sich gut. Wenn es darum geht, Afrika zu retten, werden aus mediokren Musikern Medienstars und Medienmacher in einem, sie bitten Merkel um Tränen und Millionen für Afrika und verbreiten vor allem eine Message: Wir müssen Afrika retten, weil Afrika ohne uns stirbt. Und jeder fühlt sich zum Retter berufen.
Warum die Retter nerven
Warum das nervt, beschreibt Kenias aufstrebender Literaturstar Binyavanga Wainaina: „25 Jahre alte Backpacker, die einst kamen und liebten und mitlitten, leben jetzt von 5.000 Dollar im Monat als Berater für die Vereinten Nationen (Lebenslauf: Nachdem ich in London gekellnert habe, habe ich bei einem Tabakernte-Projekt in der Nähe des Gorilla-Reservats in Uganda mitgeholfen, als der Überlandbus für fünf Tage festhing; ich brachte Schulkindern ‚Born in the USA-ay-ay‘ bei), während kenianische Masterstudenten auf der anderen Seite der Straße für einen Dollar am Tag Obst verkaufen und im Kibera-Slum leben, dem einzigen Ort, wo die Mieten noch niedrig sind.“
Im gutmeinenden Sendungsbewusstsein richten viele Engagierte dem Kontinent, dem sie doch nur Gutes wollen, großen Schaden an: Sie hinterlassen ein desaströses Image von einem Kontinent, der uns als einziges, großes, monokausales Desaster präsentiert wird. Aufstrebende Akademikerinnen, innovative Künstler, mutige Aktivistinnen, erfolgreiche Unternehmer, gar ganz normale Menschen, die sich aus eigener Kraft durchschlagen und durchkommen, sie kommen in dem uns geläufigen Afrika der hungernden schwarzen Kinderaugen und helfenden weißen Hände schlicht nicht vor. Doch sie sind da – wherever you go, whenever you listen.
Und sie, die ignorierten modernen Afrikanerinnen und Afrikaner, sind diejenigen, die die Zukunft der Kontinents tragen, nicht die „Freischärler des Altruismus“ (Thilo Thielke).
Natürlich, für das desaströse Image Afrikas sind umgekehrt nicht in erster Linie die Gutmeinenden verantwortlich, sondern die schlecht Handelnden. Jene immer noch präsenten Diktatoren, die in absolutistischem Wahn Menschenrechte und Menschen knechten, Volkswirtschaft und Volk in den Ruin treiben und von der Macht nicht lassen wollen. Die Korrupten und die Korrumpierenden. Die aus Rassenhass oder Stammesehre, religiösem oder pekuniärem Wahn, aus Gemeinheit oder Gewohnheit Folternden und Mordenden. Die, die das geschehen lassen. Die fundamentalistischen oder lethargischen Modernisierungverweigerer. Ja, auch sie sind (immer noch) da – wherever you go, whenever you listen.
Nicht nur Elend – aber auch nicht nur blühende Landschaften
Das moderne Afrika ist kein Paradies, und nichts wäre falscher, als dem einseitigen Elendsimage ein einseitiges Image blühender Landschaften entgegen zu stellen. Denn Nobelpreisträgerinnen, Reformer, Unternehmerinnen, Künstler und die wachsende ganz normale Mittelschicht können Simbabwe, Darfur, AIDS, Malaria, Welthandelssystem oder Kindersterblichkeit natürlich nicht in den Schatten stellen.
Das moderne Afrika ist die komplizierte, verwirrende und bisweilen zur Verzweiflung treibende Gleichzeitigkeit unzähliger Ungleichzeitigkeiten. Eigentlich dürfte das auch niemanden überraschen, denn die ganze moderne Welt ist so. Afrika ist keine Ausnahme!
DAS blog versucht daher nicht, Afrika zu erklären, schon gar nicht Afrika zu retten. DAS blog versucht nur, die Vielfalt Afrikas anzudeuten und der Stimme des modernen Afrika auch bei uns ein wenig mehr Gehör zu verschaffen. Damit sie weder von Robert Mugabe und Omar al-Bashir noch von Bono und Bob Geldof übertönt wird.
Wherever you are, whenever you listen, DAS is modern Africa...







