Aufgrund des „Blutholzes“ war das langjährige Bürgerkriegsland Liberia seit 2003 mit Wirtschaftssanktionen gegen den Holzhandel belegt. Nun steht die Holzindustrie in dem westafrikanischen Land vor einer Renaissance als Devisenquelle – und diesmal soll Nachhaltigkeit groß geschrieben werden.
Von Dag Zimen
Die liberianische Regierung unter Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf sowie ihre internationalen Partner geben sich zuversichtlich, dass bald schon wieder Einnahmen aus dem lukrativen Holzhandel fließen, dringend benötigte Jobs geschaffen werden und endlich wieder die wichtigsten Sozialdienste finanziert werden können. In den letzten Jahren hatte sich Liberia intensiv um Mechanismen zur Absicherung von Nachhaltigkeit in der Holzindustrie bemüht und zuletzt drei verschiedenen Unternehmen Konzessionen erteilt. Man zeigt sich überzeugt, dass die Zeiten des „Blutholzes“, das Umwelt und Bevölkerung zugunsten von Warlords schädigte, endgültig vorbei sind: „Diesmal wird der Holzhandel eine größer Partizipation der Bevölkerung an den Gewinnen ermöglichen“, sagte Blamo Robinson, Sprecher der amtlichen liberianischen Forestry Development Authority (FDA) Mitte April in der Hauptstadt Liberia.
Auch die Weltbank, von welcher Liberia immer noch abhängig ist wie kaum ein anderes Land Afrikas, sieht in der Wiederbelebung der liberianischen Holzindustrie ein großes ökonomische Potential für Liberia, das um Devisenquellen kämpft. „Der liberianische Forstsektor wird 14 bis 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und der Hauptmotor für die ökonomische Entwicklung vor allem der ländlichen Gebiete Liberias werden“, sagt Peter Lowe, Forstexperte der Weltbank.
Im Juli 2003 hatte der UN-Sicherheitsrat den Export liberianischen Holzes verboten, um den Warlords der Bürgerkriege in Liberia und dem benachbarten Sierra Leone die Einnahmequellen aus dem illegalen Holzeinschlag, die hauptsächlich für Waffenkäufe genutzt wurden, zu entziehen. Vor dem Beginn des Bürgerkriegs in Liberia im Jahr 1990 war die Holzindustrie für rund sechs Prozent der nationalen Einnahmen Liberias verantwortlich gewesen, bis zum Erlass der Sanktionen stieg dieser Anteil auf 20 Prozent an, freilich ohne der Bevölkerung zu nutzen.
2006 wurden die die Sanktionen wieder aufgehoben, wenngleich mit zahlreichen Auflagen versehen. Zusätzliche Mechanismen zur Vermeidung von Korruption und zur Absicherung sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit sollten installiert werden. Im März 2008 schließlich sah ein UN-Bericht diese Auflagen erfüllt und gab somit den Start für die Wiederbelebung der Holzindustrie in Liberia.
Nach Weltbank-Schätzungen wird es noch etwa fünf Jahre dauern, bis die Holzindustrie in Liberia ihr Potential voll ausschöpfen kann, doch werden schon die ersten Einnahmen dringend benötigt. „Der Holzhandel wird Entwicklungsprojekte wie Straßen, Schulen und Krankenhäuser mittels steigernder Steuereinnahmen des Staates finanzieren. Diese werden vermutlich von 1,77 Millionen US-Doller im Jahr 2006/2007 auf 26 Millionen US-Dollar im Jahr 2009/2010 steigen“, so Peter Lowe.
Zu den Kontrollmechanismen zählt unter anderem die Auflage an die Holzfirmen, Sozialverträge mit den lokalen Gemeinden zu schließen und in Schulen, Gesundheitszentren und Straßen zu investieren. Außerdem wurde ein System zum Herkunftsnachweis des Holzes installiert, das illegalen Holzeinschlag in dem ökologische ebenso wertvollen wie empfindlichen empfindlichen westafrikanischen Regenwald sowie den Missbrauch der Einnahmen aus dem Holzhandel verhindern soll. „Jeder Baumstamm aus Liberia wird durch ein hochtechnologisches Nachweissystem zurück verfolgbar sein und von einer regierungsunabhängigen Einrichtung überwacht. Jede Zahlung privater Firmen an die Regierung wird ebenso überwacht“, verspricht Blamo Robinson von der FDA.
Gerade die Zahlungsflüsse zwischen Privatsektor und Regierung sowie die Problematik des illegalen Holzfällens zählen zu den sensibelsten Themen bei der Wiederbelebung der Holzindustrie in Liberia. Erst im Januar 2008 wurden der Holzeinschlag in Sierra Leone wieder gestoppt, nachdem privaten Firmen der illegale Einschlag nachgewiesen wurde. Doch der illegale Holzeinschlag sie kein großes Problem mehr in Liberia, sagt Peter Lowe: „Die Situation ist nicht vergleichbar mit Sierra Leone, da in Liberia tatsächlich jede Zahlung des Privatsektors an die Regierung gemäß der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) überwacht werden wird, so der Weltbankexperte zuversichtlich.
Wir klopfen auf Holz!
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